Berlin kann Olympia nur, …

Geschrieben von Maren Schoening in Allgemein

laufbahn blauwenn die Berlinerinnen und Berlin weit im Vorfeld einer Interessenbekundung und einer Bewerbungskampagne im Rahmen von Bürgerbeteiligung und Partizipation einbezogen werden.

Wenige Tage nach Ende der Olympischen Winterspiele in Sotchi wird in Deutschland über die Bewerbung einer deutschen Stadt für die Sommerspiele 2024 oder 2028 nachgedacht. Nachdem die Hamburgische Bürgerschaft schon im Februar einer eigenen Hamburger Bewerbung eine Absage erteilt hat, bleibt Berlin als möglicher Bewerber im Rennen.

 „Feste, die alle 4 Jahre für die Jugend der ganzen Welt veranstaltet werden und die allen Völkern und Nationen offen stehen“, das war die Idee von Pierre de Coubertin zur Wiederbelebung der olympischen Idee 1894. In Berlin leben Menschen aus über 180 Nationen, hier trifft man schon heute die Jugend der Welt. In Sotschi sind Athleten aus „nur“ 88 Nationen an den Start gegangen. Die Organisation „Youthfulcities” hat Berlin 2013 zur besten Stadt Europas für junge Leute gekürt. Weltweit landete Berlin bei diesem Ranking auf Platz zwei hinter dem kanadischen Toronto. In welcher anderen Stadt kann die Idee Coubertins und der Gedanke der Völkerverständigung besser demonstriert werden?

Auch organisatorisch braucht sich Berlin nicht zu verstecken: Die Stadt hat mit der Fußball WM 2006, der Leichtathletik WM 2009 und vielen weiteren Großereignissen bewiesen, dass sie ein guter Gastgeber sein kann. Weitere sportliche Ereignisse stehen schon heute im Terminplan der Stadt: die Ausrichtung des UEFA Champions-League-Finale 2015 und die Leichtathletik EM 2018.

Ein reiner Imagegewinn für die Stadt rechtfertigt aber nicht Kosten und Aufwand. Vielmehr muss die Frage beantwortet werden, was die Olympischen und Paralympischen Spiele den Berlinerinnen und Berlinern bringen.

Bei der Planung möglicher neuer Spielstätten, des Athletendorfs und des Pressezentrums müssen Konzepte mit einem nachhaltigen Mehrwert für die Stadt und ihre Bürger geschaffen werden. Fragen nach der Nutzung von zusätzlichen Bauten und der Infrastruktur nach den Spielen, der Verhinderung von Verdrängung auf dem Wohnungsmarkt und ökologische Fragen müssen in einem Dialogformat mit den Bürgern diskutiert und entschieden werden. Eine Berliner Interessensbekundung darf nicht allein Angelegenheit der Sportfunktionäre und der Politik sein. Nach den ablehnenden Voten verschiedener Austragungsorte zur Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022 in München muss klar sein, dass derartige sportliche Großereignisse nicht mehr ohne die breite und frühe Einbindung der Bevölkerung möglich sind.

Nur eine von der Bevölkerung getragene Kampagne kann erfolgreich sein. Die Politik ist gut beraten, wenn sie den Mut aufbrächte, der olympischen Idee durch umfassende Partizipation eine neue Richtung zu geben und die Spiele zu einem Gemeinschaftsprojekt zu machen. Eine Bürgerbefragung oder ein Volksentscheid müssen dabei am Ende und nicht am Anfang einer umfassenden Beteiligung stehen. Notwendig ist dabei aber auch, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) seine Rahmendaten verändert und damit dazu beiträgt, dass Olympische Spiele und Paralympics zukünftig auch in demokratischen Ländern Akzeptanz finden, die die Menschenrechte und Umweltbelange achten.

Maren Schoening

Maren Schoening ist Managing Partner bei ADVICE PARTNERS und Leiterin der Unit SUSTAINABLE ADVICE mit den Schwerpunkten Nachhaltigkeit und Partizipation.

Kommentare (1)

  • FREVEl

    |

    Vorschlag: Berliner Senat beschließt Gründung der Olympia Berlin 2000 GmbH (Alle Dokumente liegen schon vor). Walter Momper und Timm Renner erklären, die Olympischen Spiele in Berlin sollten „eine Feier des Sports und der Überwindung der online-offline-Gegensätze“ sein. In der Stadt kommt es zu gewaltigen Nerd-Feiern für die Olympischen Spiele. Die Sportwette verbindet die Welten und Berlin profitiert von gigantischen Einnahmen aus der Besteuerung der online-Wetten.

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